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Mitgliederversammlung 2017 und Podiumsdiskussion zum Thema Landesgartenschauen

Mitgliederversammlung 2017 und Podiumsdiskussion zum Thema Landesgartenschauen

Die Landesgartenschautradition in Schleswig-Holstein ist vergleichsweise jung. Seit dem Jahr 2008 wurden hierzulande drei Gartenschauen durchgeführt. Doch trotz dieses erfolgreichen Starts ist die Zukunft des Konzeptes im nördlichsten Bundesland unsicher. Die Stadt Kiel zog ihre Bewerbung um die Landesgartenschau 2020 im vergangenen Jahr zurück, und aktuell liegen keine neuen Bewerbungen vor. Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein (FGL) nahm dies zum Anlass, im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung am 24. März 2017 die künftige Entwicklung der Landesgartenschauen auf den Prüfstand zu bringen. Bei der Podiumsdiskussion „Stadtentwicklung & Landesgartenschau – wie geht es in Schleswig-Holstein weiter?“ kamen im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung im Kronshagener teambau center Präsidiumsmitglieder des FGL und Vertreter aus Politik und Kommunalwirtschaft zusammen. Der Konsens: Wenn Landesgartenschauen in Schleswig-Holstein eine Zukunft haben sollen, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die interessierten Gemeinden eine verlässliche Unterstützung bei der Planung und Umsetzung einer Gartenschau garantieren.

In einer Sache waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig: Landesgartenschau-en sind ein wichtiger Motor einer nachhaltigen grünen Stadtentwicklung in Schleswig-Holstein. „Wenn das Nachnutzungskonzept stimmig ist, bringen Landesgartenschauen dauerhaft lebendiges Grün mit all seinen positiven Effekten in die Städte“, sagte Frank Chr. Hagen, Präsidiumsmitglied des FGL und Mitglied im Ausschuss Stadtentwicklung im Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL). Zustimmung fand Hagen in den Diskussionsteilnehmern aus der Kommunalwirtschaft und der Politik. Kai Jörg Evers, früherer Geschäftsführer der Landesgartenschau 2011 in Norderstedt und heute Geschäftsführer der Stadtpark Norderstedt GmbH, hob die zielgerichtete Umsetzung städtebaulicher Maßnahmen durch eine Landesgartenschau hervor: „Landesgartenschauen konzentrieren die Kräfte einer Stadt auf einen definierten (Eröffnungs)zeitpunkt. Das bedeutet, dass die Maßnahmen innerhalb weniger Jahre umgesetzt werden. Dies ist eine große Chance für Gemeinden, die eine städtebauliche Herausforderung zu stemmen haben!“ Evers betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Gartenschau nie Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck sei. Somit entscheide letztendlich ein erfolgreiches Nachnutzungskonzept und nicht die Besucherzahl über ihren tatsächlichen Erfolg. „Ohne die Landesgartenschau hätte Norderstedt bis heute noch keinen Stadtpark“, so Evers.
Hartmut Steins, Vorsitzender der Kreistagsfraktion Rendsburg-Eckernförde des
Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) fokussierte in der Debatte den nachhaltigen
Nutzen von Landesgartenschauen für den Tourismus: „Schleswig-Holstein ist ein touristisch
geprägtes Land. Großveranstaltungen wie eine Landesgartenschau können Besucherinnen und Besucher so positiv beeindrucken, dass auch der Tourismus nachhaltig davon profitiert. Wir sollten daher darauf achten, dass wir beim rein betriebswirtschaftlichen Blick auf ein Plus, Null oder Minus der Landesgartenschauen den Gesamtnutzen für die Region und das Land nicht aus den Augen verlieren“.

Neue Wege braucht die Landesgartenschau

Bei so vielen Fürsprechern stellt sich die Frage: Woran krankt das Konzept der Landesgartenschauen in Schleswig-Holstein? Und warum gab es nach der Landesgartenschau 2016 in Eutin neben der zögerlichen Landeshauptstadt Kiel keine weiteren Interessenten, die sich um eine Gartenschau bewarben? Der FGL-Präsident Mirko Martensen sieht den Grund vor allem in der mangelnden Unterstützung der schleswig-holsteinischen Gemeinden bei der Planung und Durchführung einer Landesgartenschau. „Mit Ausnahme der von drei Gartenbauverbänden gegründeten Arbeitsgemeinschaft Landesgartenschau gibt es in Schleswig-Holstein bisher keine offizielle Stelle, die interessierte Gemeinden im komplexen Bewerbungs- und Planungsprozess einer Landesgartenschau begleitet und motiviert. Die Landegartenschau ist im norddeutschen Raum in Gefahr, wenn für die Gemeinden keine politisch neutrale Institution als dauerhafter Ansprechpartner aufgebaut wird“, sagte Martensen bei der Podiumsdiskussion. Momentan würde das Land nur dann eine Landesgartenschau ausschreiben, wenn es einen Bewerber gibt. „Es bewirbt sich aber niemand, da die Unsicherheit bezüglich der Herangehensweise und die Angst vor dem möglichen Defizit einer LGS vielerorts den Entscheidungsprozess blockieren. Solange sich daran nichts ändert, wird sich die Katze hier weiterhin in den Schwanz beißen“, so Martensens Prognose. In der Verantwortung sieht der Präsident des FGL sowohl die Landesregierung als auch die Gartenbauverbände als Förderer und Unterstützer von Gartenschauen: „Hier müssen alle an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Bewerberstädte verbessern“.

Politiker sprechen sich für eine Landesgartenschau-Projektgesellschaft aus

Die Mehrheit der an der Podiumsdiskussion beteiligten Politiker sprach sich im weiteren Verlauf der Debatte dafür aus, mit Hilfe von Rücklagen aus dem Landeshaushalt eine Koordinierungsstelle zu etablieren, die in Sachen Landesgartenschau dauerhaft als Ansprechpartner für Kommunen zur Verfügung steht. „Natürlich müssen Landesgartenschauen auch von der Politik unterstützt werden! Wir müssen Geld in die Hand nehmen und für eine umfassende Beratung sorgen“, sagte der schleswig-holsteinische CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Rickers. Der Landtagsabgeordnete der FDP, Oliver Kumbartzky ergänzte: „Eine dauerhafte Projektgesellschaft, die Experten aus der Politik, dem Gartenbau und den Kommunen vereint, ist hierfür eine wichtige Grundlage. Das Land müsste seinerseits Mitarbeiter abstellen, die sich in der Projektgesellschaft ausschließlich diesem Thema widmen“. Eine etwas andere Herangehensweise schlug die SPD-Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber vor. Sie stellte zur Diskussion, ob die Gründung einer Projektgesellschaft der richtige erste Schritt wäre: „Meiner Ansicht nach braucht es zuerst eine klaren Bekenntnis des Landes zu Landesgartenschauen. Dann sollte man die Kommunen fragen, was sie wirklich brauchen und anschließend über geeignete Wege nachdenken, die diesen Bedarf decken“. Die Aussage des Landes, so Eickhoff-Weber weiter, könne allerdings nicht sein „Wir halten euch alle Defizite vom Hals“. „Allerdings können landesgartenschauerfahrene Mitarbeiter in einer Projektgesellschaft dabei helfen, den Kommunen die Angst vor einem Defizit zu nehmen“, sagte Heiner Rickers. Die Landesgartenschauen in Schleswig und Norderstedt hätten gezeigt, dass gute Konzepte auch zu schwarzen Zahlen führen. Der ehemalige Landesgartenschau-Geschäftsführer Kai Jörg Evers plädierte außerdem dafür, nicht immer nur die nächste Landesgartenschau im Blick zu haben: „Die Kommunen brauchen einen langfristigen Horizont und die Möglichkeit, sich eventuell auch für eine Landesgartenschau zu bewerben, die vielleicht erst in zehn Jahren stattfindet. Landesgartenschauen, so das finale Fazit von Mirko Martensen, müssten in jedem Fall Chefsache in den Kommunen sein. „Wichtig ist, dass die jeweilige Stadtverwaltung voll und ganz hinter diesem Projekt steht und es lebt. Dann stehen die Chancen, eine erfolgreiche Landesgartenschau und ein stimmiges Nachnutzungskonzept zu realisieren, sehr gut!“

Personelles: Dies waren die Wahlen, Ehrungen und Verabschiedungen bei der Mitgliederversammlung 2017

Im internen Teil der diesjährigen Mitgliederversammlung des FGL stellen sich zwei Präsidiumsmitglieder zur Wiederwahl: Der Vizepräsident Markus Prehn und der Beisitzer Oliver Rumpf wurden von den anwesenden Verbandsmitgliedern einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Ihren offiziellen Abschied vom Verband nahm Bärbel Grummich, die zehn Jahre lang das Sekretariat des FGL geleitet hatte und im Oktober 2016 in den Ruhestand gegangen war.
Norbert Birmes, Inhaber des GaLaBau-Fachbetriebes Grüne Oase in Bad Schwartau erhielt vom FGL eine Ehrung für seine zehnjährige Mitgliedschaft im Fachverband.

Für ihr Engagement bei der Landesgartenschau Eutin 2016 ehrte der FGL alle Mitgliedsunternehmen, die auf dem Landesgartenschaugelände einen Hausgarten geplant und/oder gestaltet hatten:

 Tulpe Garten- und Landschaftsbau, Lübeck
 Bleyder Garten- und Landschaftsbau, Lübeck
 Gaerten von Hoerschelmann, Bargfeld-Stegen
 oar Gartenservice u. Dienste GmbH, Dänischenhagen
 Stohn & Henningsen GmbH Garten- und Landschaftsbau, Bordesholm
 Dirk Christian Schröder Garten- und Landschaftsbau, Rastorf
 Eskildsen Gartenbau GmbH & Co. KG, Bad Malente
 Gesche Grün Garten- und Landschaftsbau, Heikendorf
 Erwin Rumpf Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co. KG, Nortorf
 Grüne Oase Garten- und Landschaftsbau, Bad Schwartau
 Rolf Westphal Garten- und Landschaftsbau GmbH & CO. KG, Lübeck
 Tilman Kaden Garten- und Landschaftsbau, Bad Segeberg

Über den Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein
Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein e. V. (FGL) vertritt aktuell 114 landschaftsgärtnerische Fachbetriebe in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit anderen Gartenbauverbänden im Land hat sich der FGL seit jeher dafür stark gemacht, die Landesgartenschau-Tradition auch in Schleswig-Holstein einzuführen und langfristig zu etablieren. Mit der ersten Landesgartenschau in der Schleswig-Schleiregion im Jahr 2008 führten die langjährigen Bemühungen schließlich zum Erfolg. Der FGL ist Mitbegründer der „Arbeitsgemeinschaft Landesgartenschau“, die als Zusammenschluss dreier gärtnerischer
Berufsverbände Kommunen in der Planung und Durchführung von Landesgartenschauen berät und begleitet. Bisher ist die „Arge Landesgartenschau“ die einzige Institution in Schleswig-Holstein, die sich dieser Aufgabe widmet.

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